Serie Reisetipps: Yangshuo, China

Die Gegend von Yangshuo ist nicht nur voll mit Touristen und Karstbergen, sondern auch von super tollen Ausflugsmöglichkeiten und Highlights.

  • Unser Hoteltipp ist klar: Im Outside Inn trifft man nicht nur tolle Menschen, sondern hat endlich auch mal die Möglichkeit das ländliche China und seine Menschen hautnah zu erleben.
  • Wer lieber noch eine oder mehr Nächte in der Stadt verbringt und sich verwöhnen will, wir empfehlen die Imperial Suite im Magnolia Hotel (selber erprobt!).
  • Das beste Restaurant (Preis-Leistungsverhältnis und Einrichtung)  in Yangshuo (und es rundet auch für nicht Vegetarier einen Yangshuo Besuch schön ab) ist das Pure Lotus. Wer Lust hat auf Indisches Essen, soll unbedingt im Kali Mirch bei Bittu und Sam vorbei schauen. Es liegt in der kleinen Gasse, die vom City in City wegführt und das Essen sowie die Gastfreundschaft sind wunderbar. Andere gute Restaurants sind das Cloud 9 an der West Street und das Golden Dragon Restaurant im 1. Stock des City in City.
  • Für eine etwas “andere” China-Erfahrung empfehlen wir unseren Freund Aku als Tourguide. Er kann auch Campingtrips organisieren und spricht sehr gut Englisch.
  • Eine Fahrradtour auf der Westseite des Yulong Flusses bis zur Drachenbrücke und dann von der Brücke wieder flussabwärts auf einem Bambusfloss ist schon fast ein Muss. Wenn möglich die Tour nicht am Wochenende machen, denn da kann es schon mal ganz schön voll auf dem Fluss werden.
  • Ein Morgenspaziergang am Li Fluss entlang ist nicht nur sehr belebend und entspannend, sondern gibt oft auch die Möglichkeit einen “echten” Cormorant Fischermann bei der Arbeit zu entdecken.
  • Schwimmen im Yulong oder dem Li Fluss ist herrlich!
  • Eine sehr ruhige und “weg von den Massentouristen” Art und Weise den Li Fluss zu erkunden, ist eine Kayak-Tour (bei Richard) zu buchen.
  • Eine persönliche Empfehlung ist der Besuch des Bauernmarkts von Fuli. (findet am 2, 5, 8, 12, 15, 18, 22, 25 und 28. jeden Monats statt) Von Fuli kann man nach Yangshuo zurück laufen, per Floss fahren oder den lokalen Bus nehmen.
  • Klettern in den Karstbergen, Chinesisch kochen lernen und die spektakuläre Lichtershow sind weitere, unvergessliche Attraktionen im Yangshuo-Gebiet.
  • Eine Webseite mit vielen Tipps ist die Yangers, die von Alf, dem Australier unterhalten wird.

Zum Abschied ein paar bunt zusammengewürfelte Kurzgeschichten und Gedanken

Freunde haben einen Welpen gekauft. Nach ein paar Tagen wird sein Fell ganz fleckig und es stellt sich heraus, dass er wohl eine Hautkrankheit hat. Die Freunde gehen zum Hundeverkäufer zurück und erkundigen sich danach, ob er das kenne und was sie tun könnten. „Ah, wirft es einfach weg, ich gebe euch ein neues umsonst!“ kommt prompt seine Antwort.

Unsere Jungs bekommen ein Kinder-Electric Spiel geschenkt. So eine Platform mit Steckteilen, Batterien und Glühbirnen. Dabei können unzählige verschiedene Stromkreise gesteckt und ausprobiert werden. Die Amerikanische Version des Spiels kommt zwar auch mit Anleitung, aber ebenso mit vielen extra Teilen zum selber ausprobieren. Die Chinesische Kopie kommt nur mit den Teilen, die es braucht, das nachzubauen, was in der Anleitung steht. Es basiert auf dem chinesischen Erziehungsprinzip des auswendig lernens und nachbauens (anstatt innovativ denken und selber austüfteln).

In einem Land wo viel Alkohol konsumiert wird und die Männer zudem gerne ihr Geld beim Kartenspiel verlieren, ist das Hauptkriterium beim Einstellen einer männlichen Arbeitskraft (für den neuen Nachtwärter): „Trinken Sie Alkohol?“ „Nein“ „Ok, der Job gehört Ihnen.“

Wendy wurde vor kurzem aufs Fremdenpolizeibüro gebeten. Sie hatte scheinbar ein paar Gäste falsch registriert. Denn wenn jemand aus Hong Kong käme, also eine Hong Kong Identitätskarte besitze (obwohl Hong Kong heute China ist, hat es noch einen andere Status), müsste Wendy das bei Nationalität als Hong Kong China eingeben und bei Taiwanesen gehöre bitte ein Taiwan China hin und nicht ein China Taiwan oder gar nur China. „Vielleicht in 50 Jahren….“, meint der Herr Fremdenpolizist schmunzelnd, „vielleicht in 50 Jahren.“

Eines der ersten Dinge, die wir unserem Assistenzkoch abgewöhnen mussten, ist, dass er seine Zehennägel nicht im Restaurant pedikürt und sie auf dem Stuhl liegen lässt. Die zweite Lektion fiel härter aus, denn er musste lernen, dass man sich die Nasenhaare nicht mit der Kochschere schneidet. Und zum Dritten gab es noch zu verstehen, dass wir von den Lippen hängende (rauchende) Zigaretten während des Kochens nicht dulden.

Beim Anbieten von einer Woche extra Urlaub kam prompt die Reaktion: „Aber dann bekomme ich hier keine gratis Mahlzeiten, also wer bezahlt mir denn im Urlaub das Essen?“

Die Chinesische Regierung tut viel, um den Bauern unter die Arme zu greifen und sie zu animieren, nicht auch in die Cities abzuziehen. Schliesslich muss ja jemand die vielen Bewohner füttern… Deshalb sind manche Produkte nur für Bauern kaufbar. Z.B. wollten wir eine sehr günstige und zudem sparsame Waschmaschine kaufen. Nein, wurde uns gesagt, die ist nur für Bauern reserviert. Wir hingegen waren auf Waschmaschinen beschränkt, die nicht nur teurer waren, sondern auch ein peinliches „D“ beim Energiekonsum aufweisten. Und daran gab es nichts zu rütteln.

Ausländische Immigranten sollen sich anpassen, eingliedern, wie wir werden. Das ist die weitverbreitete Haltung der Europäer. Hier ist das anders. Immer wieder bezeugen wir mit Respekt und Ueberraschung, wie viel Toleranz und Offenheit uns Ausländern in China entgegengebracht wird. Der grosse Unterschied liegt wohl im Verhältnis von Einheimischen zu Ausländern und darin, dass sich nie ein Chinese vorstellen könnte, dass eine Langnase je nur im geringsten so sein könnte, wie ein Chinese. Wir sind Fremde und werden das bleiben, auch wenn wir Jahre in ihrem Land verbringen. Eine Integration wird weder angestrebt noch gewünscht. Viele Ausländer werden sogar (noch) als interessante Bereicherung angesehen. Deshalb wird uns vieles verziehen. Und wenn ich die Sprache noch nicht so gut kann, wenn ich immer wieder unbeabsichtigt gegen kulturelle Eigenheiten verstosse und mich auch mal über meine Gastgeber aufrege, aber alles mit viel Geduld und Verständnis hingenommen wird, nehme ich mir vor in Zukunft gegenüber Ausländern in der Schweiz auch mehr Wohlgefallen zu zeigen.

Der neuste Schrei in China sind die sogenannten Super-Nannys. Die neue Berufsgattung ist so gefragt, dass diese ausgebildeten Frauen schon im frühen Stadium einer Schwangerschaft „gebucht“ und bezahlt werden müssen. In ihrem ein-Monate-Service inbegriffen (ihr Gehalt sei um das Fünffache einer normalen Nanny) ist ein gemeinsamer Einkaufsnachmittag, bei dem alle für das zukünftige Baby benötigten Utensilien angeschafft werden. Ist das Baby erstmal geboren, bleibt die Supernanny während 30 Tagen bei der Mutter und dem Kind. Der Vater zieht da öfters gleich mal ein paar Wochen aus. Nanny, Mutter und Baby teilen sich im Krankenhaus ein Bett und die gute Fee übernimmt jede Arbeit, die der Neuankömmling verursacht. Dabei gibt sich die Mutter Mühe, so viel wie möglich zu lernen, denn später soll sich ja diese Investition durch ein pflegeleichtes Kind und optimal vorbereitete Eltern auszahlen. Warum denn nicht wie früher einfach die Grossmutter helfe, wollen wir wissen. „Ah die, die haben doch  keine Ahnung“, wiederholen mehrere Frauen im Chor.

Der Visum-Service“ kostet für dich nichts, denn wir sind doch mittlerweile gute Freunde.“ Der nette Herr der Fremdenpolizei lächelt einen Freund von uns an und klopft ihm gutmeinend auf das Knie. „Aber,“ so setzt er verschmitzt fort, „eine grosszügige Spende an meinen Sportsclub wäre mehr als angebracht!“

In unseren Ländern werden Kinder stark gefeiert und ihre Geburtstage mit Festern und Geschenken markiert. Stirbt ein Kind, wird es um das, was noch vor ihm lag und ihm genommen wurde, betrauert. In China ist das umgekehrt (obwohl es in den letzten Jahren durch den Einfluss des Westen auch schon McDonalds Kids-Parties usw. gibt). Bis anhin feiern Kinder ihre Geburtstage kaum, denn sie haben ja noch nicht wirklich etwas getan, um das zu verdienen. Menschen ab, sagen wir mal Sechzig, beginnen ausgiebig zu feiern. Stirbt ein Kind, wird es ohne viel Trara begraben. Je älter der Verstorbene, desto grösser die Trauer. Denn schliesslich hätte diese Person ein Leben lang damit verbracht, Respekt zu verdienen. Seltsam, wie wir uns in vielen Sachen so ähneln und in anderen so unterschiedlich sind.

Im Hotel lassen wir ein sehr teures Wasserfiltersystem einbauen. Die Spezialisten arbeiten zwei Tage daran und als es endlich fertig ist, bitten wir um ein offizielles Wasserproben-Resultat. „Ah, nein, das geht nicht“, erwidern die verblüfften Arbeiter, „das System funktioniert doch nicht wirklich so perfekt.“ Was sie meinten, wollen wir etwas überrascht wissen. Es stellt sich heraus, dass sie die Teile, die das ganze Riesending zum optimalen Filtern bringen, gar nicht mitgebracht haben. Aber schliesslich genüge es so und würde uns den Zulassungsstempel des zuständigen Amts ermöglichen. Schliesslich hätten wir nie erwähnt, dass wir ein perfektes System wollten, mit allem drum und dran. Als wir sie schleunigst zurück nach Guilin schicken, um SOFORT die anderen Teile auch noch zu holen und einzubauen, werden sie schon fast wütend. „Das ist aber alles andere als üblich bei uns!“ werfen sie uns vor….

Es ist durchaus sehr aufregend für uns, in wenigen Tagen einen ganz neuen Lebensabschnitt auf einem anderen Planeten, äh, Kontinenten (oder sind China und die USA schon fast Solarsysteme entfernt?) anzufangen. Aber richtig eingesunken ist das noch nicht. Von China weg gehen? Wenn wir jeweils aus der Schweiz abreisen, wissen wir doch irgendwie, dass wir zurück kommen. Dass die Abwesenheit nur temporär ist. Diesesmal verlassen wir eine Heimat für immer. Sieben Jahre haben wir insgesamt in Asien verbracht. Das Gefühl können wir noch nicht einreihen. Es ist ein wenig wie wenn wir durch eine Türe schreiten, diese hinter uns abschliessen und dann denn Schlüssel verlieren. Einstweilen halten wir uns erstmal an der Freude über unsere Abschiedsparty fest!

China, wir werden dich vermissen.

Lange einkaufen – ein Supermarkt in China

Gestern Nacht machte ich eine geistige Reise. Und zwar versetzte ich mich in die Rolle eines China-Greenhorns. Was, so fragte ich mich, würde mir auffallen, wenn ich zum ersten Mal ins Reich der Mitte käme. Oder umgekehrt, was wird für uns anders sein, wenn wir in Europa ankommen?

Der Supermarkt. Als schon fast halbe Chinesen gehen wir durch die Regale des lokalen Supermarkts und fühlen uns zuhause. Die fremden Produkte sind uns nicht mehr fremd, im Gegenteil, wenn uns ein Ausländer danach fragt, sind wir gar überrascht, dass dies und jenes einem auffallen könnten.

Heute gehen wir zum ersten Mal bewusst durch den Supermarkt. Bewaffnet sind wir mit einem Notizblock und Schreiber und mit weit offenen Augen.

Die Tiefgarage, die so wie es aussieht gleichzeitig Abfalldepot und öffentliche Toilette ist, führt direkt vor den Supermarkt mit dem Namen Neunundneunzig. Die Zahl Neun bedeutet in China auch „lange Zeit“, 99 ist also schon sehr lange. Traditionsgemäss schenkt z.B. ein Bräutigam seiner Braut 99 Blumen (oder auch mal 99 Kuscheltierchen) um eine lange Ehe vorauszusehen. Wir bereiten uns auf einen laaaangen Einkauf vor.

Vor dem Eingang des sich im Keller befindenden und mit Neonleuchten überaufgehelltem Geschäfts stehen drei Kindermaschinen. Imitationslokomotiven mit einem Schlitz für eine Münze. Wie bei uns wird das kleine, ungeduldige Kind auf den Sitz gehockt und schon beginnt die laute Musik und das Geschaukel. Die neueren Modelle haben sogar einen Bildschirm eingebaut, der gleichzeitig zur Fahrt noch einen Trickfilm ablaufen lässt. Neben dem Kinderbahnhof hat es Schliessfächer, denn Kunden dürfen ausser ihrer Handtasche nichts in den Laden bringen.

Ein gelangweilter Angestellter lehnt gegen die vier rostigen Einkaufswägelchen, die auch schon bessere Zeiten gesehen haben. Die Schultern des Herrn hängen tief und als ich eines der Wagen seiner Obhut entziehe, schaut er nicht mal auf. Auf der anderen Seite hockt eine ebenso unzugängliche Verkaufsperson. Ihre Aufgabe ist die Bewachung (und der Verkauf, falls jemals ein Kunde kommen wird) von relativ teurem Alkohol und Zigaretten. Noch kaufen die meisten Einheimischen in den viel günstigeren Frischmärkten und Tante Emma-Läden ein. Der höhere Preis der „99-Produkte“, so könnte man meinen, wäre durch eine schöne Präsentation gerechtfertigt. Aber so weit denken wohl die Marketingleute der Supermarktkette nicht. Denn auch hier liegt überall Abfall rum, leere Schachteln, Suppenreste und andere, schwieriger zu definierende Sekrete. Die Farbe an den Wänden blättert ab, Röhren und Kabel hängen ungeschützt von der Decke. Kurz gesagt, der 99 macht nicht zum langen Einkaufserlebnis an, sondern eher zum „rein und raus in fünf Minuten“.

Die erste Regalreihe bietet lokale Geschenksprodukte an. Verschiedene Tees, Kekse und andere Süssigkeiten (z.B. Ingwerzucker, Taro- und Maronenkuchen, usw.). Gegenüber stehen die Getränke. Vor allem kleine Tetrapacks mit süssen Kräutertees, noch süsseren Früchtemilchs, Getränke mit Gelees drin und eines der Lieblinge Chinas: Apfelessig zum Trinken. Die nächste Reihe behaust Schokolade, Schleckereien, Bonbons und Zucker. Hier fallen uns vor allem die glänzend verpackten, winzigen und herzigen Bonbons auf, die inmitten der anderen Schleckereien gelagert werden. Der Schein täuscht, denn in der Silberhülle steckt nichts aus Zucker, sondern kleine Rindfleischstückchen. In China gibt es keine Trennung zwischen Hauptmahlzeit und süsser Nachspeise.

Bei den getrockneten Früchten verhält es sich ähnlich und davon gibt es ein riesiges Angebot. Jede Frucht, die frisch verkauft wird, wird auch getrocknet. Und zwar meistens mit Zucker, Salz und Lakritze, auch mal mit Pfeffer oder Chillies.

Die nächsten vier langen Ablagen sind vollgestopft mit präservierten und Vakuum verpackten, zum Teil sehr scharfen Hühnerfüssen (eine Delikatesse), ganzen Fischen und Fleisch-, Knorpel- und Tofusnacks. Diese handlichen Plastikpackungen sind beliebte Zwischenmahlzeiten; denn Chinesen snacken gerne.

Jetzt kommen wir zu den unzähligen Nüssen und Samen, die mit den unglaublichsten Geschmacksverstärkern angepriesen werden. Und selbstverständlich sind sie immer in ihren Schalen und Hülsen und werden erst vom Konsument genüsslich und geduldig geschält. Grüntee-Sonnenblumenkerne, süsse Melonenkerne und letzthin haben wir sogar Kürbiskerne mit BubbleGum-Geschmack gefunden.

Daneben werden Pommes Chipes verkauft. Da finden wir schon auch westliche Aromen wie „mit Salz“, „Barbeque“, aber auch „Gurkengeschmack“ (mein Liebling) oder „mit Mango- und Limettenaroma“.

Drei grosse Regale sind für die Pulvermilchprodukte reserviert. Die verdienen den Geschäften neben den Likören das grösste Geld und werden für viele Familien zum finanziellen Ruin. Denn die Werbung und das allgemeine Getuschel gaukelt vor, dass ein Kind nicht optimal gedeihen kann, wenn es nicht von Nestle und Co. gefüttert wird. Es gibt gar schon Pulvermilchbüchsen für Schwangere…. denn schliesslich kann man nie genug damit anfangen! Die Propaganda verheisst super intelligenten Nachwuchs, der in der Schule ganz vorne stehen werden, wenn sie doch nur die spezielle Pulvermilch trinken und zwar gibt es die für bis 12 jährige. In ländlichen Gegenden kann so eine Büchse bis zu einem Viertel eines durchschnittlichen Monatslohns kosten. Man muss sich diesen Wahnsinn mal vorstellen!

Hundefutter wurde auch mal gelagert, aber mit den wenigen nach westlichen Ideen gefütterten Haustieren, liegen nun die abgelaufenen „Pedigree“-Säckchen verstaubt und unbemerkt auf dem unteresten Regal.

Wir gehen um die nächste Ecke und vor uns liegt das Keksschlaraffenland. Kekse und Crackers, z.T. gefüllt mit Erdbeersauce oder Seealgen und natürlich fehlt die beliebte Rote-Bohnen-Paste auch nicht. Viele der Verpackungen kommen mit Bändern, Griffen und Glanz. Dann entdecken wir die westliche Ecke: Nescafe, kondensierte Süssmilch in der Dose und Heinz Babynahrung.

Das farbigste Regal ist das mit den Fertignudeln. Also die Kartonschüsseln in Plastik eingepackt. Oeffnet man den Deckel findet man kleine Sachets mit Gewürzen, Fett, Trockenfleisch und Gemüse. Angerichtet wird das Instantessen mit heissem Wasser. Die Nudeln sind so beliebt, dass wir in unserem Dorf oft kleine Kinder auf dem Schulweg beobachten, die schnell unterwegs noch einen solchen Topf Nudeln zum Frühstück verspeisen.

Für die ganz Kleinen gibt es auch eine Ablage. Da sind dann die Nudeln lustig geformt (ein wenig wie unsere Buchstabensuppen) und klein geschnitten und zum Teil sogar frei von Zusätzen, also in die Richtung von „Bio“. Wenn Babys in China zu essen beginnen, bekommen sie oft zuerst Reisporridge und Nudelbrühen.

Frisches Gemüse, Obst und Eier werden ähnlich wie bei uns offen angeboten, dann in Plastiktüten verpackt und nach dem Wägen mit einem Preiskleber versehen. Das Angebot ist jedoch stark beschränkt, weil ja sowieso fast jeder auf dem Bauernmarkt einkauft.

Neben dem Regal mit den unzähligen Saucen (von der einfachen Soyasauce bis zur schwarzen Bohne mit Chillie Sauce) stehen Gefriertruhen und darin liegen Fleisch- und Fischbällchen, chinesische Ravioli (Dumplings) und gefülltes und gefrorenes Dampfbrot. Die „Pick’n’Mix“ Süssigkeiten Abteilung ist riesengross und es herrscht ein für uns undefinierbares Durcheinander. Da hat es kleine Schokoladen und Bonbons, aber auch Mais förmige Gelees mit Mais Geschmack und mundgerechten Plastiktütchen gefüllt mit eingemachtem Gemüse und Fleisch.

A propos Fleisch. Wir hatten uns schon öfters gewundert, ob die im 99 Supermarkt auch Frischfleisch verkaufen, aber nie welches gesehen. Heute entdeckt Desmond ein paar blutige Schweinsoberschenkel und zwar offen und uneingepackt im Kühlschrank neben der Cola und dem Nestle-Joghurt.

Der ganze zweite Teil des wohl um die 300 m2 grossen Ladens ist mit Haushaltwaren und Kosmetikprodukten belegt. Sogar Pampers gibt es mittlerweile zu kaufen. Ab und zu spüren wir auch mal eine Schachtel „ob“ auf. Gute Tupperware ähnliche Produkte gibt es auch und eine grosse Auswahl an Shampoos, Seifen und anderen wohl riechenden Flüssigkeiten. Nur werden die Verkäuferinnen dieses Sektors wohl nach Umsatz „ihres“ Produkts bezahlt, denn kaum betritt man ihr Territorium, stürzen sie wie Geier auf die potentiellen Kunden und versuchen einem etwas anzudrehen. Der Herr, der jedoch ganz klar die Kosmetikabteilung dominiert und von allen Seiten und Produkteverpackungen auf uns zu lächelt, ist Jacky Chan. Er scheint sich mit Werbung im Reich der Mitte eine goldende Nase zu verdienen.

Viele der Marken sind uns unbekannt, wie z.B. das „Shit-ao“ Shampoo, Grosskonzerne wie Colgate (Unilever), Dettol etc. sind aber ebenso vertreten.

Zwei Kassen (mit Barcode Systemen und der Möglichkeit mit der Bankkarte zu bezahlen) stehen vor dem Ausgang. Gleich daneben macht der 99 noch einen letzten Versuch ein paar nützliche Dinge los zu werden: elektrische Wärmedecken, warme Jacken, Kondome und Gillette Rasierprodukte (dies vorwiegend für die Ausländer, da sich viele Chinesen nicht rasieren müssen), Kaugummis (alle zuckerfrei!), Schokolade und Flaschen mit Fruchtsäften, die jedoch in China nie mehr als maximum 30% Fruchtsaft enthalten.

Ob wir eine Plastiktüte möchten, fragt die nette Kassiererin im „99“ T-Shirt, das kostet dann aber noch extra. Eine Kollegin von ihr hilft, die gekauften Artikel (Schokolade…) in die gelbe Tasche zu legen; wir bedanken uns und freuen uns darüber, heute als so-tun-als-ob China-Greenhörner eine ganz neue Erfahrung gemacht zu haben.

Blumen für die Gäste

Als Rückblick auf die letzten 2 1/2 Jahre in China wollte ich eigentlich von den vielen, oft fast unüberwindbaren Hürden berichten, die immer wieder aus dem Nichts vor uns auftauchten.

Davon, wie uns kurz nach Ankunft gleich zwei der damals drei Kellnerinnen buchstäblich bei Nacht und Nebel ohne Worte verliessen.

Davon, wie schwierig es gewesen war, das Vertrauen und die Zusammenarbeit der Mitarbeiter zu gewinnen.

Davon, wie ich mit Herzproblemen zu ringen hatte.

Davon, wie wir das Hotel im letzten Sommer dreimal schliessen mussten.

Davon, wie viele Gäste krank wurden, bis es sich schlussendlich nach vielen schwierigen Monaten herausstellte, dass das Trinkwasser in den Flaschen kontaminiert war.

Davon, wie sich eine Familie im Dorf aus Neid gegen uns stellte und mit roher Gewalt versuchte, uns zu zerstören.

Davon, wie ein Rollerunfall eines Gastes fast zu einer Massenschlägerei vor dem Hotel führte.

Und davon, wie…. halt…. ich könnte noch viel von den monströsen Herausforderungen berichten, mit denen wir konfrontiert wurden. Und glaubt mir, sie mögen hier schwarz auf dem weissen Bildschirm recht banal klingen, in Wirklichkeit waren sie aber alles andere als das. Aber wisst ihr was? Sie sind bereits in den Hintergrund gerückt. Sie haben uns geholfen zu wachsen und besser verstehen.

Das stärkste Momentum aber, das uns bleibt und uns jeden Tag erneut um unsere Herzen wärmt, sind die vielen interessanten und ausserordentlichen Gäste, die wir kennenlernen durften. Nie hätten wir gedacht, dass es in der Tat so viele unglaubliche Menschen gibt!

Sie kamen von allen Ländern und Kulturen der Welt. Sie waren reich und arm. Suchende und Aufgeklärte. Reisende und Gestrandete. Kranke, Behinderte und Energie geladene. Traurige und Glückliche. Es waren Aerzte und Lehrer, Künstler, Akrobaten, Musiker, Fotografen und Schauspieler. Es waren Sozialarbeiter und Einsiedler, Journalisten und Priester. Studenten und Pensionierte. Polizisten, Handwerker, Wirtschaftler und Erfinder. Ja, sogar einen Astronauten durften wir beherbergen.

Alle (oder fast alle) haben sie dazu beigetragen das Outside Inn zur Oase der Erholung und Besinnung zu machen. Zum Treffpunkt von Kulturen und zum Ort der Toleranz. Manche kamen als Fremde und gingen als Freunde. Manche kamen gestresst und gingen beflügelt. Und in uns hinterliessen sie ein Vertrauen, dass die Menschheit einen wertvollen Kern besitzt, der uns Hoffnung für eine gute Zukunft geben kann.

Immer wieder dankten uns Gäste dafür, dass wir ihren Aufenthalt bereicherten und verschönerten. Dabei merkten sie nicht, dass in der Tat sie uns den Aufenthalt bereicherten und verschönerten. Heute möchten wir all diesen Gästen danken. Die Blumen sind für euch!

Weihnachtsangebote :-)

Oh, fast hätten wir es vergessen: bald sind Weihnachten. Die Chinesen shoppen sowieso gerne und viel, das ändert auch im Advent nicht. Und wir? Auf Geschenke verzichten wir wohl dieses Jahr, denn erstens müssten wir es kurz darauf wieder in einem Rucksack verstauen und Uebergewicht bei der Airline bezahlen und zweitens geht jetzt jeder Yuan ins Reisekonto.

Aber an Angeboten fehlt es nicht. Vor allem unser zehnjähriger Desmond wird immer wieder mit den unglaublichsten Offerten berieselt: Tabak, Zigaretten und natürlich Bier. Im ländlichen China gibt es kein legales Alter für den Konsum von Alkohl. Mit zehn sei er nun wirklich alt genug, ab und zu ein kleines Bierchen zu geniessen. Und zur Freude der Rauchwarenindustrie, die in Asien seit einigen Jahren ihre neuste Zielgruppe – KINDER – bewirbt (wo sonst findet man in Jahrmarktmaschinen anstatt Plüschtiere, Zigaretten???), könnte er den Abend doch noch mit ein paar Zügen am Glimmstengel abrunden. (ohne Kommentar)

Einer älteren Dame, die bei uns zu Gast ist, wird auf dem Bauernmarkt von den Vertretern einer neuen Anti-Aids Kampagne (ja, die gibt es neuerdings auch hier) eine Schachtel Kondome angeboten. Als sie diese lächeln ablehnt, meinen die jungen Männer mit einem Daumen hoch: “Hen Hao” (sehr gut). Das wisse sie, aber trotzdem verzichte sie darauf…

Natürlich fehlen im Vormarsch auf Weihnachten auch die üblichen Angebote nicht. Auf Schritt und Tritt folgt uns bei einem Einkaufsbummel in Yangshuo die Armee der “Bambusfrauen”: BAMBOO, BAMBOO, BAMBOO rufen sie jedem zu, der vorbei geht. Damit meinen sie, ob man vielleicht eine Fahrt auf dem Bambusfloss mitmachen möchte. Und wenn das keine Reaktion bringt, folgen Postkarten, Fotobücher und kleine Plastikentchen, die garantiert ganz billig seien.

Etwas diskreter sind die Männer, denn sie bieten Waren des Graumarkts an: Piratendvds und gefälschte Rolex.

Fotoserie: Bewohnte Baustellen

Mein Bruder hat mir den Verdacht bestätigt: China ist weltweit der Nummer 1 Verbraucher von Zement. Mehr als die Hälfte der globalen Resourcen dieses Baumaterials wird im Land der Mitte verbaut.

Ich stelle die Statistik zum Test: mit meiner Kamera in der rechten Hand platziere ich mich im Zentrum unseres kleinen Dorfes und schiesse in alle Himmelsrichtungen. 360 Grad, knips, knips, knips, zwölf Bilder. Und was sehen wir darauf? (Bewohnte) Baustellen! Unfertige, rote, Backsteinhäuser.

Uebrigens komme die Farbe der Backsteine vom hohen Eisengehalt in der Erde, werde aber auch durch die Temperatur beim Brennen beeinflusst. Die schönen, traditionellen, grauen Steine oder Adobe Lehmziegel gibt es hier neu nicht mehr zu kaufen. Oft werden Häuser verputzt, grau angestrichen und dann mit feinen weissen Linien die Illusion geschaffen, das Gebäude sei aus Steinziegeln gebaut.

Warum, fragen wir uns, werden drei oder mehr Stockwerke gebaut, dann aber im rohen Zustand belassen, während im spartanischen Erdgeschoss weitergelebt wird. Wohnkomfort ist ein (noch) unbekanntes Konzept: unbequeme Räume mit Betonböden und rauhen Wänden, oft kein Glas in den Fenstern, keine Heizung für den Winter, keine heimelige Stube und so gut wie keine Möbel sind die Norm. Warum brauchen die Dorfbewohner das Geld, das sie für den Aufbau ausgeben nicht für den Ausbau der bestehenden Zimmer?

Geht es darum, gegenüber den Nachbarn gut dazustehen? Oder gar, wie in anderen Ländern, darum, Steuern zu vermeiden, weil ein unfertiges Gebäude nicht als Wohnhaus, sondern als Baustelle gilt?

Wir werfen die Frage in die Gruppe mehrere Dorffrauen. Ihre erste Reaktion ist ein etwas verlegenes Lachen. Warum nur stellt diese Ausländerin immer so blöde Fragen! In dem Moment ärgere ich mich über mich selber, denn einmal mehr habe ich mir angemasst anzunehmen, dass der Drang nach Wohnlichkeit universal sei. Meine Frage hat sie ihr Gesicht verlieren lassen, was ich nicht wollte und was mir nun leid tut. Dann beginnt eine hitzige Diskussion, von der ich nichts verstehe. Erst später bitte ich um eine Uebersetzung und siehe da, der Grund scheint doch echt plausibel.

Hat man etwas Geld gespart, beginnt man aufzustocken. Idealerweise wird das Erdgeschoss als Lagerraum gebraucht und die oberen Stockwerke zum komfortablen Schlafen (und vielleicht später für die erwachsenen Kinder und Grosskinder, wobei Grossfamilien natürlich in China eine Seltenheit geworden sind). Nur geht meistens das Ersparte aus, bevor der Bau fertig ist. Ich wundere mich, wie unsere Dörfer aussehen würden, wenn Bauarbeiten in dem Moment gestoppt würden, in dem das ursprüngliche Budget überschritten wurde und es keine Bank gäbe, die finanziell nachhilft.

Backstein Fabrik in Nordvietnam

Ein schöner Ausbau des bestehenden Stockwerks mache keinen Sinn, denn es werde bei einem eventuellen späteren Bau in die Höhe nur wieder zerstört. Also baue man zuerst die Struktur bis ins dritte Stockwerk und beginne erst dann mit den kleinen Details des schöner Wohnens. Nur scheint es so, dass zukünftiges Kapital plötzlich immer ein anderer Verwendungszweck findet und die Baustelle Jahrzehnte lang eine Baustelle bleibt.

Chinapreise

… wir wissen es wohl schon alle… reiche Chinesen sind reich. Reicher als reiche Ausländer. Und sie sind gewillt ihr Geld für Einkäufe auszugeben.

In der Haupttouristenstrasse in Yangshuo, der West Street (schliesslich haben die Amerikaner auch China Towns…), verhandle ich mit einer netten Verkäuferin den Preis für ein schönes von Hand bemaltes Fläschchen. Sie kommt mir stark entgegen und offeriert einen fairen Deal. Unwissend wiederhole ich den von ihr verlangten Betrag – um sicher zu sein, dass ich richtig verstanden habe – und gleich schtttt sie mich mit dem Finger über ihrem Mund. Sie flüstert mir zu, dass das der Preis für mich Ausländer sei (eine nette Ausländerin, die die Sprache könne, fügt sie noch ganz lieb an), die chinesischen Touristen zahlten viel mehr.

Tatsächlich beobachte ich in den nächsten Minuten, wie die Chinesen für das gleiche Produkt mehr als doppelt so viel springen lassen.