Das rote Standseilbähnli, das uns nach Stoos bringt, ist eines der steilsten Bahnen der Welt und die Fahrt dementsprechend spektakulär. Die Bahn bringt uns aber nicht nur zu Berg, gleichzeitig fährt sie uns auch aus dem dicken Nebel in die Sonne. Unsere neue Heimat ist vom Nebelmeer bedeckt.
Beim Billet-Kauf müssen wir schmunzeln, denn endlich dürfen auch wir einmal von einem Preis für Ansässige profitieren. “Tourist-prices” gibt es eben nicht nur in China! Michael hat eine Überraschung für uns bereit und so sind wir nicht nur erstaunt, sondern umso mehr erfreut, als wir oben gleich auf unsere Freunde treffen. Gemeinsam, und mich noch mehr Freunden, machen wir ein Lagerfeuer und essen feines Risotto. Ist die Schweiz nicht schön?
Nach der Uebergabe des Campers und vor dem Neuanfang in der Schweiz machen wir noch einmal so richtig Ferien. Und wo sonst, denn in Asien? Gleich nach der Landung wird uns klar, wie sehr wir diesen Teil der Erde vermisst hatten und wie stark wir damit verbunden sind.
Unsere Urlaubsfotos wollen wir euch nicht vorenthalten:
Im Herzen von Utah, an der legendären Route 12, finden wir dank Kari und Ulla den kleinen State Park von Escalante. Wir richten uns auf dem sympathischen und vorwiegend von Europäern besetzten Zeltplatz ein und hüpfen umgehend in den einladenden See.
Der Ort entpuppt sich als Paradies auf Erden. Escalante soll in einer sehr freien und spirituell-religiösen Übersetzung bedeuten, dass sich hier die Leiter in den Himmel befinde und auch wir nehmen ein paar tiefgründige Momente mit.
Wir befreunden uns gleich mit drei Familien und dürfen einmal mehr lernen, dass Freundschaft keine Grenzen hat und auch wachsen kann, wenn unsere Lebensarten und Ansichten stark voneinander abweichen.
Eine weitere tolle Persönlichkeit von Escalante, ist der “Rock-Man” Scott. Er sammelt schon seit seiner Kindheit Steine und hat sich sein Hobby zum Beruf gemacht. Lenny, unser kleine Geologe, kann von Scotts Laden nicht genug bekommen (Scott liefert übrigens seine Steine auch ins Ausland!).
Fünf Tage bleiben wir am Rande des versteinerten Waldes von Escalante. 5.5 Millionen Tonnen des versteinerten Holzes - in allen prächtigen Farben – können im Park bestaunt werden.
Auf den Felsen der Gegend wachsen Pilze ( fungus) und Algen und bilden ein farbenfrohes moosähnliches Pelzchen. Der Pilz beschützt die Alge und die Alge produziert Nahrung für den Pilz. Die symbiotische Beziehung ist perfekt und in vielen Fällen schon tausende von Jahren alt.
Katie, Ryan und ihr Sohn Jaxon zeigen uns die hiesigen Indianerzeichnungen auf den goldenen Felsen. Ihre Zeichen zeugen von einer guten Jagd und wurden vor hunderten von Jahren mit einer Mischung aus Blut und Beerensaft gezeichnet.
Mit den drei Familien machen wir einen Ausflug zum Dinosaurier-Fussabdruck-Gebiet, wo wir tatsächlich einen grossen Dinosaurier Fussabdruck sehen, uns aber das Felsenklettern ebenso viel Spass macht.
Rechtzeitig zum Sonnenuntergang finden wir uns im Teufelsgarten ein. Wir geniessen ein Abendpicknick mit Michaels Brot, Käse, Eiern und Früchten und verabschieden uns von dieser traumhaften Gegend und unseren neuen Freunden.
Und weiter geht es auf der traumhaften Route 12 / 24 durch den Capitol Reef National Park, über den Boulder Mountain und schlussendlich zurück auf die Autobahn nach Osten.
Tausende von Hoodoos lachen im Bryce Canyon den Touristen und Naturliebhaber zu. Hoodoos sind fantastische Felssäulen, die über Millionen von Jahren durch geologische Schichtenbildungen und Abtragungen entstanden sind. Die Hoodoos des Bryce Canyons erhalten ihre einzigartigen Formen durch die rund 200 Tage pro Jahr an denen Eis und Schnee tagsüber schmelzen und nachtsüber neu einfrieren. Eis dehnt sich in den Rissen der Säulen aus und zwingt den Felsen auseinander.
Spazierwege führen Besucher direkt ins Herz der Hoodoos und lassen einem Verstummen. Was für ein Naturspektakel. Die Abendsonne schlängelt sich vorsichtig durch die Felsen und macht unsere Wanderung noch eindrücklicher. Später gesellen sich ein paar vorwitzige, junge Rehe zu uns im Zeltplatz.
Die Geschäftsleitung setzt voll auf die Erhaltung der Umwelt und die diesbezügliche Bildung der Besucher. Kostenlose Transfers in Parkbussen befördern die Gäste von Aussichtspunkt zu Aussichtspunkt und von Wanderweg zu Wanderweg. Interessanterweise sind die meisten der jährlich 1.5 Millionen Besucher ausländische Touristen. Tief im Canyon drin hört man nur noch „ah, c’est magnifique!“, „wunderschön“, „so lässig“, „Bellissimo“ und „piau leang“.
Yellowstone wurde im Jahr 1872 zum Nationalpark erklärt und war damit der erste seiner Art in der ganzen Welt. Das riesige Gebiet von Yellowstone (der grösste Teil davon ist ein Vulkankrater) besticht auch heute noch als Naturwunder. Der Park hat hohe Schneeberge, klare Seen, tosende Wasserfälle, Geysire, dichte Wälder und viele wilde Tiere zu bieten.
Wir übernachten in einem der einfachen Campgrounds im Park, wo wir nicht nur super nette Reisende treffen (unter anderem ein mega liebes Schweizer Paar), sondern auch Veggie-Burger auf einem Campfeuer braten und mit den selbstgebastelten Angeln der Jungs fischen gehen. Tagsüber beobachten wir Tiere (sogar einen Grizzli-Bär), schwimmen im kühlen Fluss und bewundern die heissen Quellen und Geysire der Gegend. Das Vulkangebiet macht sich bemerkbar: überall dampft und kocht es aus der Erde und die Luft verdirbt uns den Appetit durch den „Sulfur-Eier-Gestank“.
Aber ist Yellowstone wirklich so idyllisch, wie wir uns das von einem Nationalpark wünschen? Der Park wird stark beworben und seine Einzigartigkeit lockt jedes Jahr um die drei Millionen Besucher an. Ein öffentliches Verkehrsnetz fehlt, tausende von Fahrzeugen und Camper begeben sich nach Yellowstone und legen um die 300 km auf den Parkstrassen zurück. Ein Flughafen am Rande bringt weitere Besucher. Macht es Sinn ein Naturgebiet zu schützen und dadurch Millionen von Besuchern anzuziehen? Wir wünschen uns, dass Yellowstone wie andere Amerikanische Parks den Privatverkehr reduziert oder verbietet und dafür bequeme und zuverlässige, öffentliche Shuttle-Busse anbietet.
In Idaho, entlang einer unscheinbarer Landstrasse, verändert sich die Landschaft plötzlich. Sind wir auf dem Mond gelandet, fragen wir uns?
So unrecht haben wir nicht, denn der von der Regierung geschützte Park heisst in der Tat “Craters of the Moon”. Ueber tausende von Jahren brachen kleine Vulkane aus und überschütteten die Gegend mit Lava. Wir campieren auf Lava, wir klettern einen Lava-Hügel hoch und wir erkundigen eine “Lava Tube”, eine Art Höhle/Tunnel, die durch den Lava Fluss entstand.
Walmart, die Supermarktkette erlaubt (so zumindest bestätigen sie das auf ihrer Webseite) das Übernachten auf seinen Parkplätzen. Der Gedanke dahinter, dass wer da schläft, auch da einkauft, bewahrheitet sich wohl in den meisten Fällen. In der Tat sind die Gratisplätze bei einer Durchreise sehr praktisch. Was aber auf diesen Parkplätzen abläuft, könnte Bücher füllen.
Wir teilen die Walmarts in zwei Kategorien auf: die schönen, gepflegten, die öfters mal um ein Dutzend oder mehr Camper pro Nacht anziehen und die schäbigen, heruntergekommenen.
Die ersteren gleichen oft kleinen Zeltplätzen. Riesige Wohnmobilbusse lassen ihre Seitenwände ausfahren, schalten ihre lauten Stromerzeuger ein und führen ihre Hündchen auf den Parkplatz-Wieschen Gassi. Einige nisten sich gleich für mehrere Wochen ein. Viele Amerikaner haben in der aktuellen Wirtschaftskrise ihre Häuser verloren und sind permanent in ihre Wohnmobile gezogen. Andere sind weniger glücklich und schlafen auf dem Fahrersitz ihres Wagens oder mit ihren Kindern auf der Ladefläche ihres Pickup Trucks; ein Plastik als Schutz über sie gespannt.
Auf den Walmarts der raueren Gegenden treffen wir schon fast obligatorisch immer mindestens eine Person, die verloren mit sich selbst spricht, eine, die die Papierkörbe auf brauchbare Reste durchsucht, eine bittere Mutter, die ihre Kinder mit üblen Fluchwörtern anschreit und jemand, der versucht sein Fahrzeug zu verkaufen. Neuerdings gesellen sich Obdach- und Arbeitslose zu ihnen. Sie setzen sich an den Parkplatzrand mit einem Kartonschildchen „Suche Arbeit, egal was.“ Familienväter mit ihren Kindern, ältere Menschen, ehemalige Manager: die Krise macht vor niemandem Halt.
Beim Walmart im Zentrum von Tucson beobachteten wir, wie ein Ladendieb mit viel Geschrei verfolgt wurde. Ein andermal schreckten wir um Mitternacht auf, weil der Parkplatz in der Nacht von Männern benützt wurde, die mit viel Begeisterung ihre ferngesteuerten Rennwagen ausfuhren. In einer Militärstadt weckte uns eine Nachtübung mit Maschinengewehren auf dem Areal nebenan. Einmal schlich uns ein seltsamer Mann nach, einmal kam der der nette Sicherheitsbeamte zu einem Schwatz rüber und einmal entschuldigte sich dieser sogar bei uns, weil der Parkplatz neben einer lärmigen Bahnlinie lag.
Vor kurzem, in Kalifornien, wurden wir um 1 Uhr morgens brutal aus dem Schlaf gerissen. Die Stimme der Polizei erklang aus den Megafonen auf dem Parkplatzareal und forderte alle Anwesenden auf, umgehend abzuziehen. Sonst würden wir angezeigt und vor Gericht gebracht. Am nächsten Morgen erfuhren wir warum dieser Walmart mit solchen Massnahmen vor sich ging: scheinbar schliefen immer mehr Obdachlose auf dem Parkplatz und brachten so einige Probleme mit sich. Als dann eine Frau versuchte ihr Baby für 20 Dollars zu verkaufen, beschloss die Gemeinde, einzugreifen.
Immer mehr Walmart Supermärkte bringen Schilder an, die das Übernachten auf ihren Parkplätzen verbieten. Wer kann es ihnen verübeln?
Müssten wir unseren Lieblingsstaat in den USA wählen, wäre es Oregon. Ein Staat von dem wir kaum etwas wussten, der uns aber mit seiner Schönheit und seinen freundlichen Menschen gleich in den Bann gezogen hat.
Oregon. Für uns bedeutete die Fahrt durch den Staat im Nordwesten dichte Wälder, atemberaubende Schneeberge, wilde Flüsse, graben nach Fossilien und grillieren von Marshmallows. Desmond konnte in Oregon endlich seinen Gips abnehmen lassen und die Jungs durften zum ersten Mal Bowling spielen.