Die Herausforderung Schweizer zu sein

Ein gutes Neues Jahr wünschte mir mein Bruder. Ich schmunzelte. Es würde wohl das ereignisloseste Jahr seit… hmm… meiner Kindheit (?) werden – was kann da schon schief gehen?

Und genau deswegen wünschte mir mein fürsorglicher Bruder Glück. Denn Schweizer zu sein, kann für Globetrotter ganz schön zur Herausforderung werden.

So weit ich mich zurückerinnern mag, haben immerzu tiefgreifende Veränderungen und sagenhafte Ereignisse die Jahre gekrönt: Abenteuerliche Reisen, aufregende Jobs in fernen Ländern, unzählige Umzüge und Neuanfänge, Weiterbildungen und Prüfungen, neue Arbeitsstellen und natürlich die Geburt unserer Kinder. Jedes der vergangenen Lebensjahre hatte viel Aufregung gebracht. Ein Leben im Whirlpool. Und wie steht’s mit dem 2012?

Lange Reisen stehen im Moment ausser Frage, exotische Ferien müssen auf Zeiten mit mehr Ersparnissen verschoben werden, umziehen werden wir nicht gleich wieder, Weiterbildungen stehen keine an, die neuen Arbeitsstellen sind schon geregelt und Kinder wollen wir auch keine mehr. Kurz gesagt, steht ein normales Jahr einer durchschnittlichen Schweizer Familie vor uns.

Regelmässig arbeiten, an Wochenenden mit Freunden und Familie abmachen, den Kindern nach der Schule bei den Aufgaben helfen, alle paar Tage einkaufen und sich jeden Tag fragen, was wir kochen sollen, Bücher in der Bibliothek holen und den Rückgabetermin einhalten, Rechnungen zahlen und hoffen, dass das Kontoguthaben bis Ende Monat reicht, die Steuererklärung ausfüllen, Freundschaften aufrecht erhalten, uns über das tägliche Geschehen informieren, ein Haustier haben, Elternabende und Schüleraufführungen, “werden es meine Kinder schaffen?”, Geburtstagspartys, Versicherungen begleichen, die Telefonkosten niedrig halten, eine Routine erschaffen (wie viele Male werde ich noch vergessen Brot zu kaufen bevor die Bäckerei zur Mittagspause schliesst…), die Wohnung saubern und freundlich halten und, und, und.

Bei den Hudsons wird etwas Ruhe einkehren und hoffentlich Zeit dafür bleiben, uns ein paar Gedanken über die Welt und das Leben zu machen. Die vergangenen Erfahrungen abzuschliessen und aus ihnen etwas zu lernen. Der Zukunft mit einem Lächeln und einem Rucksack voller Erinnerungen entgegen schauen. Uns da einzusetzen, wo es Sinn macht und die Welt weiterhin in unseren Herzen mittragen und mit unseren Mitmenschen teilen. In der Schweiz, im Dorf, im Alltag.

2 Gedanken zu “Die Herausforderung Schweizer zu sein

  1. Liebe Nadine,

    beim Essen im Allgemeinen und beim chinesischen Essen im Besonderen kommt es wesentlich auf das “Danach” an – das Verdauen (chin. xiaohua). Ich glaube, dass Ihr nun 2012 genau mit diesem Verdauungsprozess der vielen Dinge beginnt, die Euch das Leben bisher, soll ich sagen, geschenkt hat? Das kann sehr angenehm sein, verbreitet wohlige Wärme gerade mit einem Gläschen gutem Wein oder Kaffee dazu und gibt eben die Möglichkeit, Energien zu sammeln, zu verarbeiten – um wieder Raum für neue appetitmachende Dinge zu liefern, die so farbig und bunt wie die Welt sind. Dann heißt es irgendwann wieder: Aufbruch…

    Euer

    Marcus

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