Samichlauses Diener

Michael ist anlässlich seiner Einbürgerung schon seit acht Jahren Schweizer. Aber nicht nur auf Papier ist er Eidgenosse, sondern öfters auch in seinem Verhalten. So z.B. wundert er sich schweizerisch, was für ein Notfall herrscht, wenn das Telefon einmal nach 9 Uhr abends klingelt, er beginnt nie eine Mahlzeit bevor alle am Tisch sitzen und sich “en Guete” gewünscht haben und Pünktlichkeit ist ihm eine goldene Regel.

Seit letztem Montag aber, ist er noch schweizerischer geworden. Nämlich spielte er die Rolle von Samichlauses Diener. Der Samichlaus ist eine uralte Tradition in der Schweiz; der Tag vom Heiligen St. Nicklaus wird am 6. Dezember gefeiert.  Der Samichlaus, sein Schmutzli und in dieser Region sogar noch ein Diener gehen von Haus zu Haus und bringen den Kindern Freude (oder in einigen Fällen eher Furcht als Freude). Sie kündigen sich je nach Region mit einem Glockenläuten oder dem Blasen eines Kuhhorns an. Manchmal kommt der Samichlaus mit einem Esel, manchmal zu Fuss oder gar per Auto, wenn die Distanzen zu gross sind.
Die Eltern, die den Besuch bei der Gemeinde “bestellt” haben, legen ein Geschenklein vor die Türe, das der Samichlaus diskret dem Diener in den Sack legt und später den Kindern übergibt. Früher erhielt man Erdnüsschen, Mandarinen und Schokolade, heute gibt es Kinder, die zum Samichlaus schon ein Playmobil Schiff bekommen. Was diese Kinder unter dem Weihnachtsbaum haben werden, will ich mir lieber nicht vorstellen.

Der Samichlaus wurde zudem vorab darüber informiert, was das Kind gut macht (z.B. wenn es zuhause viel hilft) und was es nicht so gut macht. Er mahnt dann den Sprössling dazu an, sich zu verbessern (eine Familie nützte den Besuch gleich dazu, dem Kind den Schnuller abzugewöhnen, in dem es diesen dem Samichlaus abgeben musste) und lobt ihn für seine besseren Taten. Das Kind antwortet mit einem Gedicht, wird mit dem Geschenk belohnt und schon zieht die Truppe weiter zum nächsten Haus.

Öfters als nicht zeigen sich die Kinder aber weniger kooperativ und verstecken sich aus Furcht vor den eindrucksvollen Männern. Ich kann es ihnen gut nachfühlen, denn wenn ich Samichlaus und seinem Schmutzli begegne, mache auch ich einen riesigen Bogen um sie…

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