„Was, du bringst ein Tiramisu mit? Ist die Zubereitung dessen nicht schwierig und zeitintensiv?“ wurde ich oft gefragt, wenn ich ein Tiramisu machte. In Wahrheit ist es ein Kinderspiel und die Schwierigkeiten blosse Ammenmärchen.
Ähnlich sieht die Situation bei den Fähren aus, die Baja mit dem Festland verbinden. Schon zweitausend Kilometer vorher wurden wir gewarnt: „Es gibt diese Fähren nicht mehr.“ „Die Fähren fahren nur selten.“ „Die Fähren sind für Ausländer sehr schwierig zu nehmen.“ „Es ist zu kompliziert und aufwendig die Fähren zu nehmen.“ „Die Hafenangestellten lassen die Ausländer stehen und auf die nächste Fähre warten.“ Ammenmärchen!
In der Tat war das Unternehmen „Fähre nehmen“ schon fast ein Kinderspiel und das sogar mit den minimalsten Spanischkenntnissen.
Die Nacht verbrachten wir am Strand gleich nach dem Hafen.
Um 7.30 Uhr (Öffnungszeit ist 7 Uhr) parkierten wir neben dem Banjercito, da, wo die notwendige, temporäre Importerlaubnis für das Fahrzeug ausgestellt wird (für Baja California braucht es diese nicht). Die nette Dame sprach sehr gut Englisch und verlangte von uns den Fahrzeugausweis, die Registrierungspapiere, Michaels Pass und sein Mexiko-Visum (und Kopien, die wir gleich im Büro daneben machen konnten). Wir bezahlten die Gebühren in US Dollars (US$ 32 für ein Fahrzeug, Achtung, Pesos werden nicht akzeptiert) und hinterlegten die Kaution von US$ 200 (wenn man die Gebühren mit einer Kreditkarte im Namen des Fahrzeughalters bezahlt, entfällt die Kaution). Wir erhielten einen Kleber für die Windschutzscheibe (dieser muss unbedingt bei der Ausreise zurückgegeben werden!) und wurden entlassen.
Als nächstes, um 8.30 Uhr (Öffnungszeit ist 8.30 Uhr), schauten wir beim TMC Agenten rein. „Können wir bitte heute noch die Fähre nach Mazatlan nehmen?“, erkundigen wir uns. Die Dame tätigt einen Telefonanruf und bestimmt den Preis. Ein Wohnmobil würde 13’000 Pesos kosten; dazu kommen 840 Pesos pro Passagier. Ein Fahrzeug bis zu fünf Metern kostet 2’500 Pesos, plus die Passagierkosten. Sie bat uns dieses Schnäppchen an, jedoch mit einem Aufpreis von 840 Pesos für die extra 2,5 Meter… Wir bezahlten die Totalkosten von 5’860 Pesos (Fahrzeugpreis, Aufpreis und drei extra Passagiere), rund 490 Dollars, erhielten einen Beleg und weitere Instruktionen.
Um 10.00 Uhr fanden wir uns beim Zoll ein (Öffnungszeit ist 10 Uhr). Wir mussten die temporären Importpapiere vorweisen und die Polizistin schaute sich schnell in unserem Camper um. Dabei meinte sie mehrere Male „VERY NICE!“.
Dann ging es zur Fahrzeugwaage, wo unser Gewicht auf fünf Tonnen festgelegt wurde und wir einen Zettel für das TMC Büro erhielten.
Im TMC Büro überreichten wir die Belege des Agenten und des Waagemeisters und bekamen im Tausch die Billete für das Schiff.
Eine Stunde später wurde uns erlaubt auf das obere Deck der Fähre zu fahren, wo wir während der rund 18stündigen Überfahrt im Camper kochen und schlafen durften. Das riesige Schiff verliess den Hafen mit einer Stunde Verspätung um 17.00 Uhr. Und schon war die Hexerei geschafft!