Gespaltene Seelen

Es gibt Seelen in dieser Welt die eine Gabe haben überall Freude zu finden und diese da zu lassen, wenn sie weiterziehen. Frederick William Faber

Emiel, ein sehr talentierter Blog Autor schrieb vor kurzem einen Beitrag über parallele Universen, „walk the garden of forking paths“. Wir alle leben in unserer eigenen Realität, doch können wir zu jedem Moment die Wahl treffen, in ein anderes Leben zu schauen, uns darin zu vertiefen und die Erfahrung eines Mitmenschen, seine Realität, für einige Zeit unsere eigen zu machen.

Aber, nun frage ich mich, was passiert, wenn wir einen Schritt weiter gehen? Wenn wir nicht nur parallele Welten erforschen, sondern an den Orten, an denen wir uns wohl fühlen, gleich einen Teil unserer Seelen liegen lassen?

Unzählige Male spürten wir auf Reisen eine so tiefe Verbindung mit einem Ort, einer Stadt, einem Land und seinen Leuten, dass wir nur schweren Herzens, oft nach Monaten oder sogar Jahren, wieder abreisten. Ja, in manchen Fällen sogar später zurückkehrten.

Aber halt! Was passierte dabei? Erst jetzt, rückblickend, merken wir, was mit uns über die Jahre unserer Reisen geschehen ist. Wir haben Samen verloren (oder gepflanzt?) aus denen nun Bäume gewachsen sind, die nach uns rufen und unsere Aufmerksamkeit verlangen. Unsere Seelen sind gespalten. Wir nennen Orte auf den verschiedensten Breiten- und Höhengraden unsere Heimat.

Wo wird uns das Heimweh hinziehen? Und können wir überhaupt noch Friede finden, wenn uns immer die „anderen“ Teile der Seele mit Wehmut nachrufen?

Oder sollen wir die Geschichte weiter spinnen und uns fragen, ob unsere Seele durch die vielen, in der ganzen Welt gepflanzten Bäume nicht noch tiefgründiger, glücklicher und kompletter werden kann? Sich gar die langen Äste und Wurzeln eines Tages treffen und verbinden und eine Art Netz um die Erde flechten könnten.

Ist es nicht ein Glück oder ein Fluch an vielen Orten daheim zu sein?

PS. Trotz allem wächst die Verbindung zu meiner Heimat immer stärker, je älter ich werde. Wenn wir Landesgenossen treffen, ist sofort etwas Unerklärbares da, dass es, zu meinem Wissen und meiner Erfahrung, nur mit Menschen geben kann, die so aufgewachsen sind wie wir, die die gleichen Gutenachtgeschichten gehört, zu den gleichen Witzen gelacht, die gleichen Fernsehprogramme geschaut, die gleichen Bücher gelesen, im gleichen Schulsystem gelernt haben wie wir und ähnliche Sitten und Ideale teilen.

Egal wie lange wir in der Fremde verweilen und wie viele prächtige Bäume wir fernab wachsen lassen, sehr tief verankerte Wurzeln scheint es nur einmal zu geben.

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