Endlich reisen wir!

Mexiko! Wir wurden vorwiegend vor diesem Land gewarnt und doch haben wir das Gefühl im Paradies angekommen zu sein. Ich sitze im Camper, schaue zur offenen Türe hinaus und sehe einen mehrere Kilometer langen Sandstrand, die Pazifikwellen mit ihren schneeweissen Kronen und einmal mehr, Menschenleere. Ein feines Curry brutzelt vor sich hin, ein Glas kalifornischer Rotwein steht fürs Abendessen bereit, die Jungs spielen schon den ganzen Tag überglücklich draussen (so ausgelassen habe ich sie schon lange nicht mehr gesehen), Michael lässt seinen Drachen fliegen und ein herziger Hund (wir nennen ihn Bartelby) hat sich unserer Familie angeschlossen. An einem solchen Tag ist uns klar: das Leben könnte nicht mehr besser sein!

Die Grenzüberquerung ging problemlos; die Beamten waren sehr nett und vor acht Uhr morgens waren wir bereits auf der Hauptstrasse Richtung Süden. Die Grenzstadt und das ganze Gebiet darum herum war hässlich und stinkig, was uns nicht verwunderte, da wir noch nie auf unseren Reisen an einer Grenze Schönheit vorgefunden haben.

Das Leben auf der mexikanischen Seite zeigt uns sofort ganz andere Gesichter und schon am ersten Tag fällt uns so einiges auf: Menschen! Auf den Strassen, in den Gärten, überall hat es Fussgänger und schnatternde Frauen, spielende Kinder (die uns sogar zuwinken) und beschäftigte Herren – und ja, sie haben dicke, lange Schnäuze! Nach mehr als zwei Monaten in den USA fühlen wir uns in den lebendigen Quartieren Mexikos sofort wieder zuhause. Die Strassen sind immer mal wieder schlecht, dann wieder gut, dazwischen hat es Militärchecks, endlos viele Stop-Kreuzungen und Bodenschwellen. Jetzt wird uns auch klar, wo all die alten Autos enden; hier in Mexiko. Einmal sichten wir einen verbeulten Personenwagen ohne Windschutzscheibe und deswegen tragen Fahrer und Beifahrer beide Motorradhelme!

Die Fahrt durch die rollenden, sanften und blühenden Berglandschaften und entlang der dramatischen Küste ist atemberaubend. Immer wieder sehe ich mit meinem inneren Auge das Werbebild von Mexiko: ein hoch stehender Kaktus mit einem farbigen Sombrero (von wo kenne ich nur dieses Bild?) und Kakteen hat es tatsächlich viele. Als wir um eine scharfe Kurve kommen und vor uns ein breites Tal übersät mit Saguaro Kakteen liegt, vergleicht Lenny den Anblick treffend mit der Terrakottaarmee in China. Die grünen Soldaten Mexikos…

Auf den Feldern grasen Kühe und Pferde; sogar echte Cowboys entdecken wir. Riesige Gemüseanlagen, Fruchtplantagen und Salzseen bringen wichtiges Exportgeld. Die Häuser sind bunt bemalt – wie die blühenden Blumen und Kakteen in grün, rot, orange, lila und gelb – und fröhliche Musik (Michael erinnern die Mexikanischen Songs ans Schweizer Jodeln) wird überall gespielt. Die Mex 1 ist praktisch die einzige geteerte Strasse in Baja und führt von der Grenze im Norden bis zum Kap im Süden; rechts und links von ihr bleibt alles staubig.

Lächelnd meint Desmond: ENDLICH REISEN WIR WIEDER!

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