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Bangkok – Der Bus mit der Nummer 15

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Rückkehr, Heimkehr. Thailand schreibt das Jahr 2551. Buddha lebte um die 500 Jahre vor Christus. Am Strassenrand warten wir auf den roten Stadtbus mit der Nummer 15. Der gleiche verbeulte, rote Bus, der immer dann kommt, wenn wir ihn nicht brauchen, aber auf sich warten lässt, wenn wir in der Hitze dastehen und die Zeit sich nicht vom Fleck bewegt. Der gleiche rote Bus, den wir schon seit Jahren immer wieder nehmen. Er fährt bis zum Siam Zentrum, von da gerade aus bis in die Weite der Stadt. Schweiss tropft mir auf die Füsse. Er hat sich zwischen meinen Beinen gebildet und fällt von den Kniescheiben abwärts. Meine Bluse ist eh schon lange nass. Nach einer Ewigkeit kommt der „15“ und hält neben und halb hinter zwei anderen Bussen an. Wir und mit uns ein Dutzend Thais rennen los, Desmond und Lenny fest an der Hand gehalten. Die Klapptüren sind schon geöffnet. Einladend. Sie schliessen sowieso nicht immer. Der Busfahrer hält nur ungern und nicht lange. Wir nehmen die hohe Stufe mit einem gekonnten Sprung und schon fährt der Bus weiter. Heute haben wir sogar einen Sitzplatz und ein zweiter wird umgehend für uns, resp. unsere Kinder frei gemacht. Der Kondukteur klappert mit seiner Geldbüchse. Liebevoll hat er sie mit Bildern von „Hello Kitty“ überzogen. Billette, bitte.

Die Regierung bezahlt während einem halben Jahr einen grossen Teil der Fahrten. Als Anreiz das Auto stehen zu lassen oder als Kompensation wegen der hohen Benzinpreise. Wir sind nicht sicher. Auf jeden Fall ist es gut, wenn die Grossstadt etwas unternimmt. Über 8 Millionen Personenwagen, 7000 Taxis und 3000 Tuktuks verkehren auf ihren Strassen. Nur die Busse mit einem blauen Schriftzug (wir können das Thailändische Alphabet nicht lesen) auf weissem Hintergrund sind gratis. Unser Nummer 15 kostet 7 Baht. Kinder bis 1.20 m sind kostenlos.

Der Fahrer sitzt vorne, unabgeschirmt von den Passagieren. Sein langer Schalthebel steht hoch über dem alten Holzboden. An der Kreuzung kommen wir zum Stillstand. Ein älterer Mann steht auf dem Gehsteig und schaut zu uns hoch. Die alten Stadtbusse von Bangkok haben keine Fensterscheiben. Er erblickt Lenny und winkt ihm freundlich zu. Beide lächeln einander an. Er offeriert ihm ein paar Früchte. Lenny will sie nicht. Etwas später fährt ein Polizist auf seinem Motorrad vorbei. Auch er nickt uns zu. Die Fahrt geht weiter. Ein Lastwagenfahrer gibt unseren Buben ein Daumenhoch. Lenny ist ganz aufgeregt, erzählt, fragt, schildert und sprudelt. „Mami, schau mal, Buddha! Er ist gut, weil er den Leuten sagt, sie sollen nicht kämpfen.“ „Und Mami, weißt du, die haben hier auch ab und zu die Chinesische Schrift.“ „Mami, da fährt ein Tuktuk, da drüber ist ein Tempel mit Kanonen…“ So glücklich und aufgestellt haben wir ihn schon lange nicht mehr gesehen. Glücklich ist er auch in der Schweiz, er lacht sowieso viel, aber dieses unglaubliche Lächeln gleich nach dem Erwachen, dieser Redeschwall, das kommt erst jetzt wieder so richtig zum Vorschein. Strahlend sagt er zu mir: „Die Menschen sind alle so lieb zu mir!“ Mir kommen immer mal wieder die Freudentränen.

Es ist so schön wieder hier zu sein. Unser altbekanntes Zimmer „D“ im Merry V Guest House. Kanung und One, unsere Freunde, die uns mit Aufmerksamkeiten verwöhnen. Der Geruch von gebratenem Knoblauch und Sojasauce. Das Essen am Strassenrand. Die Bancomaten, die andersrum funktionieren. Die 7eleven Läden. Der Park am Fluss. Die mit viel Vorsicht und Detail dekorierten Strassen und Tempel. Es ist wie wenn wir nie weg gewesen wären. Vor allem für Desmond und Lenny scheint es einmal mehr kein Gestern zu geben. Einfach nur was jetzt und heute da ist.

Plötzlich kracht es. Wir hatten es kommen sehen. Ein Moment in dem das Unterbewusstsein schon erfasst hat, was passieren wird, das Hirn dies aber noch nicht rückgemeldet hat. Ein anderer Bus trifft uns. Unser Fahrer bog zu früh rechts ab, der andere Fahrer bremste zu spät. Der Knall ist riesig, aber buddhaseidank ist niemand verletzt. Die Polizei kommt, alle steigen aus und warten auf einen neuen Bus. Wir nehmen erst mal ein Taxi.

Vor einem 7eleven Geschäft sitzt eine Frau, die alt aussieht, dies aber vermutlich nicht ist. Sie trägt einen Büstenhalter aus silbernem Netz und winzige Jeanshöschen. Ob die halb abgebrannte, selbst gerollte Zigarette, die sie in der verrunzelten Hand hält ein Joint ist, können wir nicht sagen. Dem Blick in ihren abwesenden Augen nach, könnte es gut sein. Die Frau bettelt. Sie war vermutlich mal schön und begehrt. Jetzt ist sie verbraucht und krank. Die vergessene Seite des Sextourismus.

Bangkok. Eine faszinierende, pulsierende Stadt, die uns bei jedem Besuch eine neue Seite offenbart.